First Person Shooter Dokumentation im ZDF …

Im ZDF ist eine Doku Reihe gestartet über FPS und dem Thema Gewaltdarstellung. Der erste Teil der dreiteiligen Serie liegt nun vor. (Offizielle Info, spiegel/netzwelt, Mediathek)

Irgendwie hab ich nicht viel Lust mir das Thema mal wieder aufdrängen zu lassen. Kommt ja eh nie was Intelligentes am Ende bei rum. Ich befürchte Schlimmstes. Trotzdem bin ich mal lieb und ’spiele‘ mit :)

Teil 1 – Der Streit beginnt

Die Doku ist für ein Rentner TV schon besser als ich es vom ZDF erwartet hatte. Aber gut gelungen ist das lange noch nicht.

Der Namenstitel ist eine Frechheit, damit wird sich schon direkt disqualifiziert. ZDF here we go again.

Die deutschen Interviewpartner sind dann durchaus gut ausgewählt und sehr kompetent, kennen die Spielegeschichte aus deutscher Sicht. Alles Leute die ich respektiere, gerne mal treffen würde. Allerdings sind die Interviews falsch geschnitten. Mit dem Schnitt stimmt was nicht. Verschenktes Potential was mich wurmt.

Die Doku macht mir viele Themen auf, will viel. Für Non-Gamer gibts eindeutig zuviele Sachverhalte – was mich nicht stört, aber ich dachte die Doku will eine generelle Debatte anstossen. Die Neutralität der Macher empfinde ich als langweilig. Vielleicht soll das nur den Einstieg signalisieren, denn da folgen noch zwei weitere Teile. Krampfhaft wird dieses Ding vom Macher aufgemacht „ich hab studiert und nähere mich dem untersuchenden Gegenstand“. Seit wann ist das ZDF für wissenschaftliche Methoden bekannt.

Begriff ‚Prokonsument‘ hab ich noch nie gehört, Modding heisst hier „Remixe“ (?), visuelle Theorie ganz am Ende (cool). Immerhin werden einige witzige Details gebracht. Hans Ippisch mit seinem indizierten Spiel, BPjS musste durch die Spiele (haha geil, ganzes Video auf spiegel), Romero hat ne Gamermaus da liegen aber nutzt lieber die Apple Maus.

Ich dachte ZDF und Doku möchten eine Diskussion anregen, weil das ZDF selbst eine Historie aufweist richtig mies über Videospiele zu hetzen. Womit sie übrigens so langsam ganz alleine auf weiter Flur stehen. Selbst die Bildzeitung betreibt inzwischen eine Spiele Zeitschrift. Die ARD hatte mit dem Spielemagazin Reload deutlich gezeigt wie es geht und das man modern sein kann; ich erinnere nur an deren GTA Sendung wo sich dem Spiel aus mehreren Perspektiven genähert wurde, was für deutsches Fernsehen ein Quantensprung gewesen ist.

Also bisher kann ich nicht erkennen das die Doku irgendeinen gesellschaftlichen Diskurs anstossen könnte. Alles wirkt so wirr, dieses Themen Gespringe. Ob die Doku es demnächst schafft das Thema Gewalt adäquat zu besprechen?

Dies wird keine leichte Aufgabe sein an Gewalt in Kunstformen ranzugehen. Ich erwähne nur das Sujet (Anti) Kriegsfilm. Eine platte Herangehensweise wird beim Thema nicht funktionieren, da braucht es sensible Annäherung.

Ich hoffe das Gewalt Thema bleibt in den weiteren Folgen eher genereller Natur und nicht zu sehr auf die deutsche Perspektive fixiert. Denn ich denke international beim Gaming. Ich weiss gar nicht ob mich die deutsche Perspektive überhaupt noch interessiert. Immerhin kamen bisher die Medienklischees Counterstrike und Pfeiffer nicht vor. Das wird sich wohl demnächst ändern, ich rieche es förmlich schon.

Teil 2 –
Teil 3 –

6 Gedanken zu „First Person Shooter Dokumentation im ZDF …

  1. Ich erwarte eigentlich auch nichts, und werde mir auch nicht groß was dazu anschauen.
    Wenn ich mich an meine Zeit als Jugendlicher erinnere, und das Theater über Spiele
    mitbekam, stellte sich mir eigentlich immer nur eine Frage „Für wie blöd haltet ihr uns
    eigentlich?“. Viel zu viele Leute die sich profilieren wollten verhinderten von Anfang an
    das diese Diskussion, wenn man überhaupt von einer Diskussion im eigentlichen
    Sinne sprechen kann, wenigstens ansatzweise ein gewisses Niveau erreichen
    konnte. Stattdessen wurde man als tickende Zeitbombe, Todesbombe (Klasse Wortkreation Günni!)
    etc. beschimpft. Das ZDF hatte damals ordentlich mitgespielt, und meiner
    Meinung nach den niveaulosesten Müll generell zu dem Thema produziert,
    gezielt provoziert, und die Reaktionen auf die Provokation auch nochmal
    ausgeschlachtet. Geht man auf den Schulhof, zeigt nem Teenager den Stinkefinger,
    wartet das dieser zurückstänkert, und will damit irgendwas beweisen.
    Also warum dieser Sinneswandel jetzt? Könnte es sein das man Angst vor einer
    Generation hat, die sich zunehmend kritischer mit dem Thema GEZ Gebühren
    auseinandersetzt?

  2. doch, kannst du durchaus anschauen.
    ich meinte es so, wenn mir jemand mit anspruch ankommt dann habe ich eben auch ansprüche. bin gespannt wie das weitergeht, vielleicht bekommen sie den bogen noch hin.

    ich glaub inzwischen dieses alte zdf frontal ding und die „stinkenden spieler“ waren nur eine inszenierte show. bad publicity = good publicity. oh moment, ich höre gerade das traumschiff vorbeifahren :D

  3. Erstmal: Ich hab die Doku nicht gesehen.

    > Die Neutralität der Macher empfinde ich als langweilig.

    Willst du lieber wieder beschimpft werden?
    Und wenn’s ne Doku sein soll, ist Neutralität und Wissenschaftlichkeit doch gut?

    > Selbst die Bildzeitung betreibt inzwischen eine Spiele Zeitschrift.

    Ja und? Die Bildzeitung schreibt auch Jubel-Artikel über den Papst neben Sexanzeigen.
    Außerdem gibt’s die Computer Bild Spiele doch schon ewig, unabhängig davon, ob/wie die Bild gerade gegen Spiele(r) gehetzt hat.

    > Dies wird keine leichte Aufgabe sein an Gewalt in Kunstformen ranzugehen. Ich erwähne nur das Sujet (Anti) Kriegsfilm.

    Bei Antikriegsfilmen kann man noch argumentieren, dass die Gewalt den Schrecken des Krieges zeigen soll und abschreckend wirken soll.
    Das ist bei (den meisten) Spielen eher nicht der Fall, da wird Gewalt eher zur Unterhaltung genutzt, wie in Splatterfilmen (oder auch Actionfilmen).

    > Also warum dieser Sinneswandel jetzt? Könnte es sein das man Angst vor einer Generation hat, die sich zunehmend kritischer mit dem Thema GEZ Gebühren auseinandersetzt?

    Eher nicht. Seit ein paar Jahren muss ja jeder Haushalt GEZ Gebühren zahlen, da kann denen komplett am Arsch vorbeigehen, ob irgendeiner Generation das passt oder nicht. Ist ja nicht mehr so, dass man dem noch mit „ich hab keinen Fernseher weil mich euer Programm ankotzt“ entgehen könnte.

    Ich würde unterstellen, dass inzwischen auch beim ZDF Leute arbeiten, die mit Computerspielen aufgewachsen sind (und inzwischen auch alt genug/lang genug dabei sind, um Einfluss zu haben). Bedenke: Doom ist inzwischen über 22 Jahre alt, wer Teenager war, als es rauskam ist jetzt Ende 30.. Und C64, Apple II, NES, … waren noch 10 Jahre früher.

  4. schaut euch die doku an! mit vlc auf 1,5x geschwindigkeit sind das 25 minuten.

    aufzählen von fakten und geschichte kann nur der einstieg sein. wir kennen das ja alles. in der wissenschaft muss eine interpretation der daten erfolgen und die ist dann diskutierbar.

    computer bild klang einfach gut. hast natürlich recht, ist kein argument für nichts.

    >Das ist bei (den meisten) Spielen eher nicht der Fall, da wird Gewalt eher zur Unterhaltung genutzt, wie in Splatterfilmen (oder auch Actionfilmen).

    japp, sehe ich auch so. wobei ich finde bei antikriegsfilmen kann die aesthetik sogar umschlagen. achso ich hatte was geschrieben aber noch nicht gepostet.

    zdf sinneswandel. trotz gez müssen sich öffentliche institutionen rechtfertigen und für alle da sein. weil wenn die relevanz nicht mehr gegeben ist, dann würden mindestens 3 von 63 öffentlich-rechtlichen anstalten geschlossen :)

  5. Mal mein Salat so wie ich die Historie verstehe.

    Spiele hatten abstrakte Grafik bedingt durch schwache Hardware. Einige Spiele hatten einen „realistischen Bezug“ wie Flugzeug / Held vs die Bösen. Ob die Bösen nun Menschen oder Aliens waren hat für die Kinder keine Rolle gespielt. Schiessen war nicht brutal gemeint (Amis), sondern eher intuitiv, ganz simpel, Abtreffen und Ausweichen. Wie Kinder die Cowboy vs Indianer spielten. Kinder haben Videogames gespielt, jugendlich Erwachsene haben Spiele gebaut. Es ging immer darum die Grafik und Technik zu verbessern. Je besser die Grafik, desto detailierter ist natürlich das Dargestellte, auch die Gewalt. Man hat „Gewalt“ einbaut um einen realistischeren Bezug in die ansonsten abstrakte undetailierte Grafik hinein zu bringen. Kulturunterschiede Amerika und Europa beim Umgang mit Sex und Gewalt. Anscheinend ist im amerikanischen Videospiel sowas eingetreten wie „verbesserte Grafik was einher geht mit detailierterer Gewalt“ und das schauckelt sich bis heute hoch.

    Man will zeigen was die Grafik kann, „Realismus“ mit Explosionen etc. Der Actionfilm machte das vor. Ein aus der Videospiel Historie erzeugter Selbstläufer der nicht mehr zu stoppen ist. Die Gewalt muss immer realistischer oder übetriebener werden um zu Schocken. Das Problem nun, die Gewaltdarstellung ist historisch installiert im Videospiel, ein Teil davon geworden. Ob einem das persönlich gefällt oder nicht. Man kann die Gewalt jetzt nicht einfach „wegnehmen“, nur weil Moralisten das immer mal wieder wollen. Es müsste jetzt eher um „Geschmack“ gehen. Und ja, ich sage irgendwo ab einem bestimmten Punkt wird der Geschmack bei mir überschritten. Das braucht aber niemand für mich bewerten, sondern ich entscheide das.

    Die Einbettung von Gewalt im Videospiel, die Gewalt kommt meistens nicht über den Punkt hinweg „sie ist einfach da, hat keine Konsequenzen“. Sie ist naiv vorhanden. Oft fehlt der eingebettete moralische Kontext. Pure visuelle Aesthetik wird geboten. Gewalt als Thematisierung müsste ja eigentlich „etwas aussagen, bedeuten“ und ein Gegeneffekt müsste einsetzen wie „das war jetzt falsch“, verurteilend sein. Dann wären wir auf der moralischen Ebene. Aber wer will sowas politisch-korrektes moralisches denn spielen? Der Deutsche Spielepreis hatte am Anfang „besonders wertvolle“ Spiele prämiert – die Gewinner waren nicht zum Aushalten.

    In FPS kann es nicht primär um moralische Entscheidungen gehen, das Genre ist bereits definiert. Beim Actionfilm gibts auch Sachen, vieles aus den 80ern, wo der Protagonist sich brutal rächt, mit Mitteln und Formen die masslos übertrieben sind. Der Film darf das, das Videospiel quaseln einige darf das nicht.

    Nur soviel, in anderen Kunstgattung sind Moral und Aussage keine Pflicht. Musik, Malerei, es muss nicht immer alles eine Bedeutung haben. Bei Hochliteratur ist das wieder anders.

    In Spielen sehe ich inzwischen die Grafik gar nicht mehr, was mich interessiert ist die Mathematik der Werte im Hintergrund, wie ist das justiert. Denn das muss ich kapieren um das Spiel zu spielen. Wenn Non-Gamer sich wundern über Kopftreffer in FPS oder Blut, also das ist eine logische Erweiterung über die Zeit hinweg. Ein Spielen mit Werten, Blut für Treffer Feedback, Headshots um eine differenzierte Hitbox zu gestalten.

    Was man diskutieren könnte

    Thema Zensur & Meinungsfreiheit

    Kontrollverhalten der Deutschen. Alles reglementieren zu wollen.

    Schärfstes Jugendschutzgesetz der Welt

    Rolle USK und BPJM. Ich sehs nicht das alles in Butter ist.

    Wie stehts mit Sex?

    Realismus und Abstraktion, welche Richtungen im Videospiel was wollten. Bringt Fotorealimus Spiele voran. Will Videospiel den Spielfilm imitieren.

    Hauptfrage, ist Videospiel ein pures Konsumprodukt (dann darf man schneiden wie man will) oder Kunst (dann wie es vom Kreativen kam, kein Eingriff). Das Videospiel als neue Gattung ist jung, erst 40-50 Jahre alt, und hat noch nicht alle Möglichkeiten aufgezeigt.

    Zum Thema Gewalt würde mich das weite Feld der Pädagogik schon noch interessieren. Aber bitte nicht mit Keulen Weisheiten, sondern mit langfristigen wisschenschaftlichen Ergebnissen.

    Der Abschluss Witz. Wieso sollte denn über Gewalt in Videospielen überhaupt noch diskutiert werden? Wir haben inzwischen öffentliche und private Stellen die für uns Bewerten und Zensieren. Wir bezahlen dafür mit Steuern und über Verkaufspreise. Eigene Gedanken braucht sich keiner mehr machen, das wird uns abgenommen. Ist doch dufte!

  6. Das Problem ist doch das die Gewalt letztendlich das einzige ist, was man letztlich als
    Aussenstehender sieht. Und das reicht vielen schon um zu urteilen, das es nur darum
    geht. Wir diskturieren über Leveldesign, Schläuche und Labyrinthe, Gameplay und Reaktion.
    Günni und Co. kennen das garnicht. Alles was sie von Spielen kennen ist das
    was sie sehen: eine Waffe die durch Räume fliegt, und alles in Schutt und Asche legt.
    Wahllos jeden erlegt. Ist doch klar das dadurch eine völlig verzerrte Wahrnehmung des
    ganzen entsteht. Pseudojournalisten wie Rainer Fromm, die nur ihre eigenen Thesen
    vertreten, und in den Dokus nur das zeigen, was die eigene These stützt, haben
    zusätzlich Öl ins Feuer gegossen. Wenn man was erreichen will, muss man
    das Gesamtbild zeigen. Diese Dokureihe hier zieht sich auch wieder nur an der Gewalt hoch,
    nur in einer anderen Form.

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