Project Warlock durchgespielt

Bei Release des Spiels im Dezember 2018 wurde ich mit dem Titel nicht warm, warum auch immer. Als ich das Spiel neulich ganz abhaken wollte, bin ich deswegen noch mal rein. Jetzt war ich plötzlich vom Spiel überrascht. Das Game hat mich gefesselt und ist wirklich Klasse. Liebe auf den zweiten Blick.

Project Warlock ist ein Retro FPS mit Indi Einflüssen, entwickelt von einer Person (Entwickler ist 19 Jahre alt und kennt die alten Spiele von seinem Vater her) und läuft auf der Unity Engine. Die Grafik ist liebevoll und die Musik ist gut. Project Warlock ist eine Mischung aus Wolf 3D, Rise of Triad, Heretic / Hexen und Doom.

Auf den ersten Blick sieht das Spiel aus wie viele dieser generischen FPS Doom Clone mit RPG Zitaten auf Steam, als Dungeon Crawler mit Minecraft Grafik. Doch es ist ein waschechtes und oldschooliges FPS. Es erinnert mich an Gun Godz, Retro Blazer und Powerslave. Welche auch hier auf der Seite besprochen wurden.

Hauptelemente sind schnelle Reaktionen, schnelles Schiessen, Ausweichen und in Bewegung bleiben, ein bisschen Covern und Ecken als Cover nutzen, Backen. Also schon sehr Oldschoolig. Ein bisschen Waffenmangement gehört dazu (Waffenwechsel, Gegner priorisieren, welche Waffe ist gegen welchen Monstertyp gut). Allerdings ist die Waffen-Monster Balance weniger getunt als in Doom. In Ansätzen ist das Balancing da. Leider können die Waffen einzeln nicht auf die Keyboardtasten gebindet werden, doch es geht auch mit Mausrad.

Das Mapdesign ist ein erweitertes Wolfenstein 3D. Nur ist das alles nicht so sperrig, einfallslos und zum Verlaufen wie Wolf 3D. Vertikalität / Ebenenkämpfe wie in Quake gibt es nicht, sondern nur Flugenemys. Ein kleiner Schuss komlexes Mapdesign / Backtracking kommt hier dazu. Der Wegverlauf ist meistens Straight. Der Spieler wird durch die Map geführt, also eigentlich ist der Wegverlauf in den verschachtelten Gängen vorgegeben – durch Keys und Türen. Enemys kommen aus einer bestimmten Richtung, somit weiss der Spieler wo er lang muss. Länger verlaufen habe ich mich nur zweimal. Quasi ist der Wegverlauf wie in modernem Mapdesign.

Das Mapdesign passt zum Spiel und der Mapper wendet schon seine eigene Methode an. Es ist mehr Schein als Sein, sprich es gibt zwar diese „Aha, hier bin ich wieder“ Momente (öfters landet der Spieler später wieder im Startraum) und verschlungenen Pfade, doch der Verlauf kann nicht unbedingt vorhergesagt werden. Hochkomplexe Wege und starkes Backtracking, wie in Doom, gibt es so nicht. Das ist total Okay so. Ich finde es trotz stärker vorgegebenen Wegverlauf auf eine Art kunstvoll. Es wirkt nicht „billig“.

Die Waffen sind richtig toll. Zusätzlich gibt es Melee Attack und Zaubersprüche. Der Spieler kann nicht springen. Die Gegner machen einfache Spielerverfolgung. An ein paar ausgewählten Stellen fallen Gegner dem Spieler in den Rücken, dies ist aber nie unfair gestaltet.

Die Pixelart der Gegner ist wunderschön gelungen. An Gegner Highlights gibt es viele: Yeti, Eisblock, Katzenmenschen, Skorpion, The Thing usw. OMG die Eisblöcke. Die Theme Welten sind mal wieder Klischee und trotzdem sehen sie gut aus und machen Spass durch die zugehörigen Gegnertypen: Sewer, Mittelalter, Arktis, Stationen, Labore, Ägypthen, urbane Stadt, Hölle.

Es gibt ein bisschen Zerstörung in der Umwelt und auch an den Gegnern (Animationsstufen). Es gibt drei Upgrade Systeme (Waffenupgrades, Fähigkeiten, Zaubersprüche) welche nur sehr RPG Light sind.

Die Schwierigkkeitsstufe Hard würde ich zum Spielen empfehlen, weil sie eine Mischung aus Easy und Normal ist. Am Spielende hatte ich viele Leben angesammelt. Wer es härter mit Permadeath möchte, nimmt eine Stufe höher.

Sehr viele Zitate aus alten FPS sind im Spiel zu erkennen, sowohl im Gameplay als auch als Anspielungen in der Welt: Wolf 3D, Rise of the Triad, Hexen, Doom, Duke 3D, Shadow Warrior, Blood, Quake, Serious Sam.

Im Spiel stecken viele Details drin wie Spells, Waffenupgrades, Spinnnweben, Pfeile aufsammeln, bisschen Zerstörung, der Mech der nach Beschuss dann am Boden liegt und schiesst, Feuer, schöne Spiegelungen, Mapabkürzungen, Secrets, jeweils ein schiessendes und zerstörbares Endmap Tor, Anspielungen auf andere Spiele etc.

Bisher gab es zwei Updates. Rennen wurde zum Default erhoben.

Kritik
Es gibt kein manuelles Saven. Kein Keybinding der einzelnen Waffen ist vorhanden; damit gelänge ein Waffenswitch schneller. Die Lava Pits am Ende des Spiels sind grausam, weil wenn der Spieler dort hinein fällt, gibt es kein Entkommen (keine Teleporter und keine Treppen). Die Bosse sehen zwar gut aus, doch die Bosskämpfe an sich könnten besser sein.
An Performance Problemen wie es im Steam Forum heisst, ist mir nichts aufgefallen. Bugs sind mir keine aufgefallen. GGman meinte in den Sewers wäre es stockdunkel; also bei mir mit Patch 2 ist es nicht dunkel und den Lichtspell habe ich kaum genutzt.

Weiter gedacht
Es liessen sich noch mehr Verbesserungen und Erweiterungen ins Spiel hineinstecken. Doch man kann es auch so lassen wie es ist.

Eins fiel mir noch auf, der Ritter mit Schild hat bei mir beim Durchspielen ca. 3 Mal sein Schild hinterlassen, das nachträglich beschossen werden konnte und dann kaputt ging. Aus der Mechanik, es bleibt etwas Sperriges auf dem Spielfeld zurück, könnten andere FPS was machen. Stellt euch eine grosse Arena vor, wo Enemys ein Hinderniss nach dem Ableben hinterlassen (das aber abschiessbar ist, wenn Zeit ist). Der Spieler wäre dann in der Arena etwas eingeschränkt. Das wäre doch cool.

In genau der Reihenfolge würde ich neue, kommerzielle Retro FPS nach meinem subjektiven Geschmack nennen: Ion Fury, Dusk, Wrath Early Access, Project Warlock, Amid Evil.

Project Warlock ist ein kleines Spiel und trotzdem ganz Gross!

Bei Release am 19.10.19 hatte ich folgendes geschrieben.

4 Gedanken zu „Project Warlock durchgespielt

  1. Ich hab auch damals Spaß damit gehabt. Mein Kritikpunkt war aber, das es mir besser gefallen hätte mit
    nur halb so vielen Levels, weil einiges redundant wurde. Den Stil für die Sprites find ich übrigens Klassen,
    teilweise ist das wie ein First Person Comic.

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